»Pressemitteilung

Gründung der Fachgruppe „Maturity Models“

Der ASQF e.V. hat eine neue Fachgruppe unter dem Namen "Maturity Models" zum Thema „Capabiltiy Maturity Model“ gegründet, das derzeit in der IT-Branche in aller Munde ist. In Verbindung mit einem Arbeitskreistreffen haben sich hierzu rund 50 Vertreter von Unternehmen und Hochschulen in der Firma method park in Erlangen-Tennenlohe getroffen, um sich durch namhafte Referenten in das Themengebiet einführen zu lassen.

In weiten Teilen lässt sich die Entwicklung von Software mit der Schaffung eines großen Bauwerkes vergleichen: Beim Herantasten an eine Idee schlagen viele Versuche fehl, die Kosten übersteigen bei weitem die vorgegebene Zielvorstellung und der Zeitplan wird sowieso nie eingehalten. Um den Software-Entwicklungsprozess bewertbar und verbesserungsfähig zu machen, wurde das Capabiltiy Maturity Model (CMM) vom Software Engineering Institute (SEI) entwickelt.

Das fünfstufige Reifegradmodell soll bei Kosten-, Zeit- und Qualitätsproblemen Abhilfe schaffen und für eine bessere Vorhersagbarkeit, geringere Schwankungsbreite und höhere Effizienz sorgen. Als standardisiertes Modell in der Praxis angewandt, macht es eine Qualitätsbewertung des Software-Enticklungsprozesses möglich. Während das Risiko bei CMM-Level 1 „Initial“ durch eine undefinierte Vorgehensweise sowie unvorhersehbaren Problemen überwiegt, wird das höchste Level 5 „Optimizing“ durch Management der Prozessveränderung, Fehlervermeidungsprozesse oder Management von technologischen Veränderungen charakterisiert.

ASQF-Präsident Professor Dr. Bernd Hindel erinnerte in der Begrüßung an das erste Treffen des Vereins im Jahre 1995, das damals bereits unter dem Schlagwort „CMM“ stattgefunden habe. Er führte in das Thema ein und gab als Tagungsziel die Gründung einer Fachgruppe aus, um sich künftig in regelmäßigen Abständen über dieses brandaktuelle Themengebiet austauschen zu können.

Christian Knüvener von der method park Software AG informierte in seinem Vortrag „CMM vs. CMMI“ über Grundbegriffe, Unterschiede und Historie von Qualitätsmodellen. In einem Ausblick wies er darauf hin, dass „wer heute systematische Prozessverbesserung starten will, wird sich an CMMI orientieren und noch besser ‚fahren’“, da diese Version viele Erfahrungen aus CMMs und SPICE (Software Process Improvement and Capability dEtermination) integriert.

H. Wolfseher von der Firma Industriehansa, der unter anderem mit Knüvener das Leitungsgremium der neuen Fachgruppe bilden wird, stellte „Fragen und aktuelle Probleme der Software-Industrie“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er thematisierte sowohl die Anforderungen des Managements an die Entwickler, als auch Probleme im Entwicklungsprozess, die sich im Spannungsbogen zwischen Qualitätsansprüchen und Zeit- oder Änderungsdruck durch den Kunden bewegen können.

Über „Requirements Engineering for Embedded Systems“ sprach Christian Rappl vom Lehrstuhl für Software und Systems Engineering der TU München. Er stellte die Reifegradstufen des Capabiltiy Maturity Model vor, wies auf verschiedene Spezifikationen hin und stellte CMM in einen größeren Zusammenhang. David Reo, vom European Software Institute in Bilbao (Spanien), sprach in seinem Vortrag „CMM for the right reasons“ über die Vorzüge des Modells in der Praxis. Reo betonte, dass die Qualität in der Entwicklung kontinuierlich verbessert werden müsse. Er ließ Zahlen sprechen: Durch falsche Planung würde ein Viertel aller Software-Projekte im Sand verlaufen. Unternehmen würden Produkte verkaufen, in denen eine Fehlerquote von 15 Prozent keine Seltenheit sei. Viele Firmen würden 30 bis 44 Prozent ihrer Zeit und ihres Geldes mit der Überarbeitung von bereits geschriebener Software verbringen. „Abhilfe können hier Programme schaffen, die bei der Qualitätsverbesserung helfen.“

Reo führte an, dass es in Deutschland 21 Firmen gibt, die nach CMM qualifiziert werden. Höchste Stufe eines deutschen Unternehmens sei hierbei Level 3, auf dem ein organisationsweiter Standardprozess etabliert sein muss. In einer Übersicht zeigte er die Länder, in denen Unternehmen bereits Level 5 erreicht haben, darunter auch Kanada, China oder Indien.

Als Hauptredner hatte der ASQF Javaji Munirathnam von Total Systems eingeladen, der als Managing Director eines „Level 5“-Unternehmens seine Erfahrungen unter die Überschrift „CMM Level 5 – Challenges und Experiences“ zusammenfasste. Aus seiner Erfahrung wusste Munirathnam zu berichten, dass der Entwicklungsprozess in weiten Teilen völlig chaotisch abläuft. Solches Vorgehen sei vor allem auf Level 1 zu finden. In Level 2 sei der Prozess bereits nachvollziehbar und werde bis zu Level 5 optimiert.

Munirathnam veranschaulichte, wie die „Qualitätsreise“ von Total Systems seit den ersten Überlegungen im Jahre 1992, die Qualität im Unternehmen zu verbessern, über den Standard ISO 9001, der 1994 erreicht wurde, zu einem Level-5-Unternehmen im April 2001 verlaufen ist. Er verdeutlichte, dass mit jedem Level ein Mehraufwand an Arbeit nötig sei, die sich jedoch für den Kunden und das Unternehmen lohne. „Wir haben es geschafft. Probieren Sie es auch“, ermunterte er die anwesenden IT-Spezialisten.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde „CMM – Chance oder Aufwand“ unter reger Beteiligung des Publikums diskutiert. Bereits am 16. Mai (16.30 bis 18.30 Uhr) trifft sich die Fachgruppe im IGZ in Erlangen erneut, diesmal zum Thema „CMMI vs. SPICE“.

Im weiten Feld des Software-Qualiätsmanagements deckt der ASQF damit den Informationsbedarf seiner Mitglieder in einer weiteren Fachgruppe ab. Die Gruppen treffen sich in regelmäßigen Abständen, um ihr Themengebiet zu diskutieren und innerhalb des Vereins zu repräsentieren. Bisher trafen sich IT-Spezialisten in Fachgruppen zu den Themen Linux, UML und Java/Jini. Vor kurzem konnte mit der Gründung der vierten Fachgruppe namens „Automatisierung“ ein weiterer Aspekt im Software-Spektrum abgedeckt werden. Und nun wurde das Segment vorerst durch die fünfte Fachgruppe „Maturity Models“ vervollständigt.

Im Sinne der Software-Offensive Bayern möchten die ASQF-Mitglieder den IT-Standort ausbauen und die zukunftsträchtigen Chancen in der IT-Branche aufzeigen. Neben der Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit sind es auch die Weiterbildungsangebote in Form von Arbeitskreisen, Workshops, Tutorien und Konferenzen, die auf großes Interesse stoßen und gezielte Anstöße zur Qualitätssteigerung im Software-Entwicklungsprozess liefern.

Der ASQF ist 1996 als ein Zusammenschluss engagierter Mitarbeiter verschiedener Großunternehmen, mittelständischer Betriebe, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus dem Raum Erlangen/Nürnberg entstanden. Der Verein hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht, die Bedeutung der Software-Qualität der Allgemeinheit bewusst zu machen. Er versteht sich dabei als Makler von Know-how und neuen Ideen.


Weitere Informationen zum ASQF sind unter www.asqf.de zu finden. Die Internetplattform der Software-Offensive Bayern ist unter www.software-offensive-bayern.de zu finden.

Bilder von der Veranstaltung sind auf Anfrage zu erhalten.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.

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Ihr Ansprechpartner:

Jan Redmann

Telefon: 0331-231810-0
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Weitere Informationen sind im Internet unter www.isqi.org zu finden.


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